Eine Stadt, geprägt von der Erinnerung
Nagasaki trägt eine historische Last wie kaum eine andere Stadt in Japan. Am 9. August 1945 wurde sie die zweite Stadt, die einen Atombombenabwurf erlitt, und heute steht der Friedensgedenkpark als feierliche Mahnung an dieses Ereignis. Der Park im Stadtteil Urakami wird von einer eindrücklichen Bronzestatue des Bildhauers Kitamura Seibo dominiert, ein Arm gen Himmel gerichtet, der andere in einer Geste der Ruhe ausgestreckt. Nebenan führt das Nagasaki Atombomben-Museum die Besucher durch die Ereignisse vor und nach dem Abwurf, mit Artefakten, Berichten von Überlebenden und Ausstellungen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Atmosphäre ist besinnlich statt sensationell, und selbst an geschäftigen Tagen bewahrt das Gelände eine gewisse stille Würde.
Glover Garden und das koloniale Erbe
Auf einem Hügel mit Blick auf den Hafen von Nagasaki bewahrt der Glover Garden die Residenzen westlicher Kaufleute, die sich während der Meiji-Ära hier niederliessen. Am berühmtesten ist das ehemalige Haus von Thomas Blake Glover, einem schottischen Händler, der eine Rolle bei der Industrialisierung Japans spielte. Der Garten selbst ist wunderschön angelegt, und die Aussicht über den Hafen ist allein den Aufstieg wert. Mehrere weitere erhaltene Gebäude sind über das Gelände verteilt, jedes mit einem Einblick in das Leben der ausländischen Gemeinschaft, die hier einst blühte. Das Gebiet rund um den Glover Garden grenzt auch an die Oura-Kirche, eine der ältesten christlichen Kirchen Japans, die die lange und teils leidvolle Beziehung der Stadt zum Christentum widerspiegelt.
Die berühmte Nachtansicht
Nagasaki wird regelmässig unter den drei schönsten Nachtansichten Japans geführt, neben Kobe und Hakodate. Der beste Aussichtspunkt ist der Mount Inasa, erreichbar per Seilbahn vom Stadtzentrum. An einem klaren Abend breiten sich die Lichter der Stadt über das schmale Hafental auf eine Weise aus, die fast theatralisch wirkt. Die umliegenden Berge rahmen die Aussicht und schaffen ein natürliches Amphitheater aus Licht. Besucher, die ihren Aufstieg kurz vor Sonnenuntergang planen, können den Übergang vom goldenen Tageslicht zur funkelnden Stadtlandschaft beobachten. Die Aussichtsplattform auf dem Gipfel wurde kürzlich renoviert, und es gibt ein kleines Restaurant, in dem man die Szenerie in aller Ruhe geniessen kann.
Dejima und Nagasakis Chinatown
Über zwei Jahrhunderte während Japans Abschlussperiode war Dejima der einzige Kontaktpunkt zwischen Japan und der westlichen Welt. Diese kleine fächerförmige Insel im Hafen von Nagasaki diente von 1641 bis 1859 als niederländischer Handelsposten. Heute ist die Stätte teilweise rekonstruiert, und Besucher können durch nachgebaute Lagerhäuser, Wohnräume und Ausstellungsräume gehen, die den Alltag während der Isolationsperiode veranschaulichen. Nur einen kurzen Spaziergang von Dejima entfernt ist Nagasaki Shinchi Chinatown das älteste Chinatown in Japan. Es ist kleiner als die in Yokohama oder Kobe, hat aber seinen eigenen Charme, mit engen Gassen voller Restaurants, die Champon-Nudeln und Sara Udon servieren — beides Gerichte, die hier als Fusion der chinesischen und japanischen Küche entstanden.
Anreise und praktische Tipps
Nagasaki ist per Shinkansen von Fukuoka erreichbar, wobei der Nishi-Kyushu-Shinkansen die Reisezeit auf unter 30 Minuten ab dem Bahnhof Takeo-Onsen verkürzt. Der Flughafen Nagasaki liegt auf einer künstlichen Insel in der Omura-Bucht, etwa 45 Minuten per Bus vom Stadtzentrum entfernt. Für Autofahrer ist Nagasaki über die Autobahn von Fukuoka erreichbar, etwa zwei Stunden Fahrt. Beachten Sie, dass die Taifunsaison von Juni bis Oktober die Reisepläne mit starkem Regen und Transportstörungen beeinträchtigen kann. Innerhalb der Stadt deckt das Strassenbahnnetz alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu einem Einheitstarif ab.