Kunst an unerwarteten Orten
Die Nakanojo Biennale ist ein Festival für zeitgenössische Kunst, das alle zwei Jahre in Nakanojo stattfindet, einer kleinen Stadt im bergigen Inneren der Präfektur Gunma. Was sie besonders macht, ist ihr Rahmen: Statt konventionelle Galerieräume zu nutzen, installiert die Biennale Werke in verlassenen Schulen, ehemaligen Sake-Brauereien, leerstehenden Geschäften und anderen ungenutzten Gebäuden, die über die Stadt und die umliegende Landschaft verstreut sind. Das Ergebnis ist ein Festival, bei dem der Weg zwischen den Werken ebenso Teil des Erlebnisses ist wie die Kunst selbst. Auf dem Weg von einem Ausstellungsort zum nächsten passieren Besucher enge Täler, Flussufer und stille Wohnstrassen, in denen das tägliche Leben unbeeindruckt vom Kunstereignis ringsum weitergeht.
Ursprünge und Charakter des Festivals
Die Biennale begann 2007 als Graswurzel-Initiative, um einer Stadt, die mit den typischen Problemen des ländlichen Japan kämpft — Bevölkerungsrückgang und wirtschaftliche Stagnation —, neue Energie zu verleihen. Lokale Organisatoren arbeiteten mit Künstlern aus Japan und dem Ausland zusammen und stellten die ungenutzten Räume der Stadt als Ateliers und Ausstellungshallen zur Verfügung. Der Ansatz war anfangs bescheiden, aber das Festival ist stetig gewachsen und zieht in den jüngsten Ausgaben Dutzende teilnehmender Künstler an. Was sich nicht geändert hat, ist der Geist der Veranstaltung: Sie bleibt gemeinschaftsgetragen, mit lokalen Freiwilligen, die die Veranstaltungsorte betreuen, Wegbeschreibungen geben und den Besuchern manchmal Tee und Gespräch anbieten. Es gibt hier keinen Hochglanz-Firmenauftritt — die Biennale bewahrt das Gefühl einer echten Zusammenarbeit zwischen Künstlern und den Menschen, die das ganze Jahr über in dieser Landschaft leben.
Was an den Veranstaltungsorten erwartet
Die Installationen variieren stark in Medium und Ansatz. Vergangene Ausgaben zeigten grossformatige Skulpturen in verwilderten Schulhöfen, Videoarbeiten, die auf die Wände ehemaliger Lagerhäuser projiziert wurden, Klanginstallationen, die auf die Akustik von Holzgebäuden reagieren, und partizipative Werke, die Besucher zum Mitwirken einladen. Das Zusammenspiel von Kunstwerk und Umgebung ist oft das überzeugendste Element. Ein Werk, das in einem leerstehenden Klassenzimmer installiert ist, umgeben von Wandtafeln und winzigen Pulten, trägt Assoziationen, die dasselbe Werk in einer weissen Galerie nicht hätte. Die Gebäude selbst werden Teil der künstlerischen Aussage — ihr Alter, ihre Leere und die Leben, die sie einst füllten, fliessen alle in das Erlebnis ein.
Präfektur Gunma und die Umgebung
Die Präfektur Gunma nimmt die nordwestliche Ecke der Kanto-Ebene ein, auf drei Seiten von Bergen begrenzt. Sie ist bekannt für ihre heissen Quellen — Kusatsu Onsen und Ikaho Onsen gehören zu den berühmtesten in Japan — und eine raue Landschaft aus Schluchten, Wasserfällen und Hochebenen. Nakanojo liegt am Agatsuma-Fluss, und die Umgebung umfasst Shima Onsen mit seinem kobaltblauen Okushima-See und die Agatsuma-Schlucht, beides lohnenswerte Abstecher während eines Biennale-Besuchs. Die Kombination aus zeitgenössischer Kunst und Naturlandschaft verleiht der Reise eine Qualität, die rein städtische Kunstfestivals nicht bieten können.
Anreise
Nakanojo ist von Tokyo aus über die JR Agatsuma-Linie ab dem Bahnhof Takasaki erreichbar. Die Fahrt vom Bahnhof Tokyo nach Nakanojo dauert etwa zweieinhalb Stunden, einschliesslich eines Umsteigens in Takasaki auf den Joetsu-Shinkansen. Während der Biennale verbinden Shuttlebusse in der Regel den Bahnhof mit den verschiedenen Ausstellungsorten, wobei ein Auto deutlich mehr Flexibilität bietet, besonders um abgelegene Standorte zu erreichen. Das Festival läuft üblicherweise über mehrere Wochen im Herbst, mit genauen Daten auf der offiziellen Website. Ein einzelner Pass deckt den Eintritt zu allen Veranstaltungsorten ab. Unterkünfte in Nakanojo sind begrenzt, sodass viele Besucher in nahegelegenen Onsen-Orten übernachten oder den Ausflug als langen Tagestrip von Tokyo aus machen. Das Tempo des Festivals belohnt einen langsamen Zugang — zwischen den Standorten zu hetzen verfehlt den Punkt vollkommen.